Bauproduktemissionen

Im Gegensatz zu vielen anderen Quellen im Innenraum wirken sich die Emissionen aus Bauprodukten langfristig und prägend auf die Raumluftqualität aus. Dies resultiert aus ihrer langen Einsatzdauer und der häufig großflächigen Verarbeitung, z. B. von Wandverkleidungen, Fußbodenaufbauten/-belägen, Vorhängen.

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Typische Bauproduktemissionen sind meist Lösemittel, Restmonomere und Verarbeitungshilfsstoffe, sogenannte Additive. Das können beispielsweise Weichmacher und Flammschutzmittel sein, die dem Produkt zugesetzt werden, um bestimmte Materialeigenschaften zu erzielen. So werden beispielsweise in Produkten auf Basis von Polyvinylchlorid (PVC) Weichmacher eingesetzt, um eine entsprechende Flexibilität zu ermöglichen. Da Weichmacher im Allgemeinen nicht chemisch an das Material gebunden sind, können diese langfristig in den Innenraum abgegeben werden.

Darüber hinaus gibt es auch sogenannte Sekundäremissionen, die erst durch chemische Reaktionen gebildet werden, wenn verschiedene Materialien zusammen kommen (Beispiel: mehrschichtiger Fußbodenaufbau) oder wenn infolge von Zersetzungsreaktionen neue chemische Stoffe gebildet werden (Beispiel: Abspaltung von Aldehyden aus Alkydharzen). Beim Einbau von Bauprodukten ist aus diesem Grund die Einhaltung von notwendigen Trocknungszeiten (z. B. Estrich) von großer Bedeutung, da die im Trägermaterial enthaltene Restfeuchte derartige Reaktionen auslösen oder beschleunigen kann. Einige der freigesetzten Substanzen rufen auch unangenehme Gerüche hervor.

Auch Materialien aus nachwachsenden Rohstoffen (z. B. Holz) und andere als »natürlich« deklarierte Produkte (u. a. Natrufarben, -lasuren) können flüchtige Substanzen an die Raumluft abgeben.

Die Dauer der im Innenraum auftretenden Emissionen kann je nach Produkt sehr unterschiedlich sein: Die Restemissionen eines Wandanstrichs sind in der Regel innerhalb weniger Tage nur noch sehr gering. Emissionen aus tieferen Schichten (z. B. einem Fußbodenaufbau) oder in Zwischenräumen verfüllten Produkten (z. B. Schäume) können z. T. über Wochen und Monate noch in der Raumluft nachgewiesen werden. Sekundäremissionen durch chemische Reaktionen zweier Materialien oder durch Zersetzungsreaktionen treten dagegen manchmal erst nach einem längeren Zeitraum auf.

Die Bestimmung von Bauproduktemissionen (chemische und sensorische Untersuchung) erfolgt in Emissionsprüfkammern. Für die Bewertung der chemischen Bauproduktemissionen existieren derzeit in Europa (noch) verschiedene nationale Bewertungsmethoden sowie eine Reihe freiwilliger Produktlabel.